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Martin Stadler

Literatur

 

 

Hans Stadler

Geschichte

 

Verteidigung

Mord, Liebe und Melancholie zwischen Fastnacht und Ostern, Zucht und Sucht, Geld und Geist, Region und Migration

 

348 Seiten

 

 

Verteidigung ist ein "Verfassungsroman" im Kleide eines politisch aktuellen Kriminalromans.

 

Er erzählt vordergründig die Aufklärung eines Verbrechens, hintergründig eine private Liebes-, eher Schwermuts-geschichte. In Verdacht, an der Fastnacht einen Drogen-süchtigen ermordet zu haben, gerät ein Asylbewerber, dessen Anwalt Epp lieber Antiquar wäre. Oder Verfassungs-geschichtler. Im Lesezirkel der Buchhändlerin Annegret Regli, die er verstohlen liebt, soll er einen Abend bestreiten. Weil sie persönliche oder regional gefärbte Beiträge erwartet, hat er sich den erwünschten Themen - Fastnacht, Fastenzeit - entzogen; sie muss Ersatz für ihn finden … Als Verteidiger des Tatverdächtigen recherchiert und ergrübelt Epp heutige Zuwanderer- und einstige Auswanderergeschichten (seiner Familie), und im Zirkel erörtert er nicht wie angekündigt Verfahrensmängel anhand eines Beispiels aus der regionalen Sozialgeschichte, sondern referiert über Strafrechtsgeschichte, insbesondere über die Todesstrafe als funda-mentalem Verfahrensmangel. Ein Zuhörer ist der vornehme Doktor Rogger, Arzt sowohl des Mordopfers als auch Epps, des Verteidigers des Tatverdächtigen, und befreundet mit Annegret. Er erinnert Epp an seine bescheidene Herkunft und religiöse Sozialisation. Von ihm meint er sich seinerseits verdächtigt: der Schwermut. Wogegen er sich selbst verteidigt. Trotzdem tauchen seine Gedanken kreisend ab in Erinnerungen und Selbstvorwürfe, in seine Liebesgeschichten, in Mordgeschichten, in … Manchmal sinniert er über den real praktizierten Verfassungsgeist, die kaltherzige Ökonomisierung der Gesellschaft, der man sich in Epps Region teils verschreibt, teils verteidigend widersetzt.

 

Zwyer (eine Figur aus dem vergriffenen Roman "Aufräumen" von Martin Stadler) erzählt diesen Roman "Verteidigung" vor einem Hintergrund: dem öffentlichen Raum eines alpinen Tales, dessen Sprache und Klima er miterzählt, mit Blick in die Geschichte und speziell auf die Zeit zwischen Fastnacht und Ostern.