Uranos  Verlag

Hofstatt 8, CH-6467 Schattdorf

uranos.verlag[at]bluewin.ch

 

                

Klick zu    

 

 

Uranos Verlag

Home

 

 

Martin Stadler

Literatur

 

 

Hans Stadler

Geschichte

 

EIN INNERSCHWEIZER INGENIEUR VON SCHWEIZERISCHEM FORMAT

 

Zur Biographie von Karl Emanuel Müller - Ingenieur, Unternehmer, Staatsmann. 1804-1869

 

Text: Martin Stadler ... Nachdruck gegen Beleg erwünscht.

 

Karl Emanuel Müller (1804 - 1869) beschritt als Sohn einer konservativen Urner Magistratenfamilie einen für damalige Innerschweizer Verhältnisse erstaunlichen Berufsweg. Ingenieur werden war noch aussergewöhnlich. Doch gerade als Ingenieur und Unternehmer schuf er Werke von schweizerischer Bedeutung.

Der Ingenieur K. E. Müller war auch Politiker. In den stürmischen Jahren 1845 - 47 vor der Bundesgründung stand er als Exponent der führenden Urner Familien sowie als Luzerner Regierungsrat und als Kommandant der Gotthardexpedition an vorderster Front des konservativen Sonderbundes... Dennoch wirkte er später als Ständerat konstruktiv am Aufbau des neuen Bundesstaates mit.

Wichtiger aber als seine politischen Mandate war Müllers berufliche Zusammenarbeit mit wichtigen Ingenieuren seiner Zeit, mit den Baubehörden des Bundes und mit eidgenössischen Fachexperten. Seine Beziehungen und Freundschaften über Kantons-, Partei- und Konfessionsgrenzen hinweg trugen viel zur inneren Festigung des jungen Bundesstaates und zur eidgenössischen Versöhnung nach dem Sonderbundskrieg bei.

Dies hat die schweizerische Geschichtsschreibung bisher zu wenig beachtet.

Unter anderem hat Müller durch seine massgebende Rolle als Ingenieur und Unternehmer beim Aufbau der Verkehrsinfrastruktur den Kanton Uri für die Industrialisierung geöffnet. Er wirkte auch als Kantonsbaumeister in Glarus. In Obwalden meliorierte er das sumpfige Aaried in Giswil. In Bern baute er die Nydeckbrücke und die Kirche St. Peter und Paul. In Uri korrigierte er die Reuss. Als Bahnexperte war er in mehreren Kantonen gefragt. Und sein Einsatz für die Gotthardbahn (für die er ein richtungsweisendes Vorprojekt vorlegte) half mit, der Transitachse durch die Zentralschweiz die dominante Stellung zu verschaffen. Das letzte Werk Müllers war die Stiftung des Kantonsspitals Uri, ein bleibendes Werk echter Humanität.

  

Leckerbissen

 

Wie wurden Ingenieure anfangs des 19. Jahrhunderts ausgebildet? Die ETH gab es noch nicht, Techniken ebenfalls nicht. Müller studierte an der 1815 gegründeten Technischen Hochschule in Wien, die sehr praxisbezogen war - ähnlich wie die heutigen Fachhochschulen. Es wehte an dieser Hochschule auch ein universitärer Geist. So schuf der Physikprofessor Müllers nebenbei musikalische Werke - zusammen mit Franz Schubert...

***

 

1828, als Karl Emanuel Müller berufstätig wurde, gab es noch nicht viele Ingenieure in der Zentralschweiz. In Uri war er sogar der einzige. Und er wurde gleich mit einer schwierigen Aufgabe betreut, dem Bau der Gotthardstrasse von Göschenen nach Andermatt. Das Kernstück war die Teufelsbrücke über die Schöllenenschlucht. Anschaulich schilderte der Referent die damalige Brückenbautechnik sowie die Finanzierungsmethoden und die baubetrieblichen Probleme, die sich dabei stellten. 

***

 

Müller war projektierender und beratender Ingenieur, aber auch selber Bauunternehmer, der zahlreiche Bauten realisierte, darunter Strassen (Gotthardstrasse, Axenstrasse, Passstrassen), Brücken, einen Kirchenbau, Meliorationen, Flusskorrekturen usw. Er verkörperte schon damals reiche Vielseitigkeit, Interdisziplinarität...

***

 

Ausserdem gründete Müller eine Postdampfschiffgesellschaft, die (nach anfänglicher Konkurrenz und späteren Kartellabsprachen) mit der Dampfschiffunternehmung des Luzerners Kasimir Knörr zur heutigen Schiffahrtsgesellschaft Vierwaldstättersee (SGV) fusionierte. Schon im 19. Jahrhundert - zu Beginn der Industrialisierung - gehörten Markt, Konkurrenz, Kartellierung und Kapitalkonzentration zum wirtschaftlichen Umfeld des tätigen Ingenieurs.  

***

 

Übrigens war Karl Emanuel Müller auch Papierfabrikant - in Horw, in unmittelbarer Nähe zur heutigen Hochschule für Technik + Architektur Luzern! Die Suche nach einem günstigen Unternehmensstandort war damals ein Energieproblem. Wo gab es fliessendes Wasser für Antriebszwecke? Er wurde fündig in Kriens und an der Isleten (Uri)... Und er entwickelte die eingesetzten Maschinen zur Papierfabrikation weiter, betrieb also eine „Realkapitalproduktion“ (wie die Ostschweizer Textilunternehmer, welche auf diese Weise die Maschinenindustrie induzierten). Müller meldete gar ein Patent an und verkaufte es in Wien.